Warum wollen und sollen Menschen Kampfsport / Kampfkunst betreiben? Ein kulturvergleichendes Forschungsprojekt   Ausgangssituation Fernöstliche Kampfsportarten/Kampfkünste - im Folgenden zusammenfassend mit dem international üblichen Begriff "Martial Arts" bezeichnet - erfreuen sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Warum Menschen sich den Martial Arts zuwenden, warum sie mitunter Jahrzehnte lang dabei bleiben, was sie sich davon versprechen, welchen Sinn sie ihrem Üben zuordnen, warum sie eine besondere Spielart bevorzugen oder warum sie sich wieder davon abwenden - darüber gibt es keine gesicherten theoriebildenden Erkenntnisse. Auf der anderen Seite werden den Martial Arts vielfältige positive Wirkungen zugesprochen: Sie sollen konditionelle, koordinative und psychische Parameter verbessern, Aggressionen abbauen, Syndrome, wie ADHS, lindern und die Bewältigung struktureller oder sozialer Herausforderungen erleichtern. Auch dazu liegen, wenn man von der Aggressionsthematik absieht, kaum empirische Befunde vor. Hinter all dem steht in Deutschland eine florierende, jedoch weitgehend unerforschte Martial-Arts-Landschaft. Zwar wissen wir, dass es Martial Arts in Sportvereinen und -verbänden, in kommerziellen Schulen und in Fitnessstudios gibt und dass viele Martial Arts in nationalen und internationalen Wettkämpfen ihre Besten ermitteln. Wir wissen auch, dass es daneben einen expandierenden Markt "sanfter" Martial Arts gibt, in denen Exklusivansprüche miteinander konkurrieren und auf dem es auch um viel Geld geht. Wie die Strukturen und Organisationen jedoch genau aussehen, darüber existieren nur punktuelle Analysen, und wie die Entwicklung in diesem Feld vor sich geht, ist noch nicht im Überblick gezeigt worden.   Fragestellungen Vor diesem Hintergrund bieten sich drei Fragenkomplexe an 1. Wie stellt sich die Martial-Arts-Landschaft in Deutschland dar? Hierbei geht es darum, problemgeschichtlich, soziologisch und organisationsanalytisch zu ermitteln, wie die Martial-Arts- Landschaft in Deutschland entstanden und durch welche Erscheinungsformen sie charakterisiert ist. 2. Warum machen Menschen Martial Arts? Hierbei geht es darum, zu ermitteln, was Menschen dazu bewegt, das Üben von Martial Arts zu beginnen, durchzuhalten und ggf. zu beenden. Auch stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, was sich Eltern davon versprechen, ihre Kinder in Martial-Arts-Kurse zu schicken. Es sind möglichst viele verschiedene Settings zu bearbeiten: Sportunterricht, Sportverein, kommerzieller Sportanbieter, Fitnessstudio, Gesundheitskurs der Krankenkasse, Ferienclub etc. Bei der Stichprobenbildung ist neben den üblichen Auswahlparametern besonders zu berücksichtigen, wie lange und in welcher Dichte eine Person bereits Martial Arts übt bzw. geübt hat. 3. Was bewirken Martial Arts? Hierbei geht es darum, zu ermitteln, ob sich an physischen und psychischen Parametern Besonderheiten und/oder Veränderungen zeigen, die als Effekte des Übens von Martial Arts identifizierbar sind. Dabei sind sowohl objektiv messbare als auch subjektiv empfundene Wirkungen zu berücksichtigen. Für die Auswahl der Settings und Stichproben gilt das unter Fragenkomplex 2 genannte.   Methoden und Designs Folgende Forschungsmethoden bieten sich an: Leitfadeninterview; die Anlage kann variieren nach narrativ, fokussiert, episodisch etc. Rekonstruktion subjektiver Theorien Schriftliche Befragung mit offenen und geschlossenen Fragen Anwendung von Persönlichkeitsinventaren und Instrumenten zur Erhebung des Selbstkonzepts, der Selbstwirksamkeit und ähnlichen Konstrukten Motorische Tests Hermeneutische Studien Dokumentenanalysen Struktur- und Organisationsanalysen Expertenbefragung Als empirische Designs kommen Querschnittsstudien und (Interventions-)Längsschnittstudien mit Kontrollgruppen in Frage.   Beispiele für Abschluss-/Qualifikationsarbeiten Martial Arts in Deutschland - Marktanalysen, Organisationsanalysen und Interviews zur Entwicklung der Martial-Arts-Landschaft in Deutschland Warum machen Menschen Martial Arts? - Eine Literaturstudie Warum machen Menschen Martial Arts? - Qualitativ-inhaltsanalytische Auswertungen von Internet-Foren Warum machen Menschen Martial Arts? - Explorative Interviewstudien mit Menschen, die Martial Arts betreiben Warum machen Menschen Martial Arts als Wettkampfsport? - Explorative Interviewstudien mit Menschen, die Martial Arts als Wettkampfsport betreiben Warum geben Eltern ihre Kinder zum Martial-Arts-Training? - Explorative Interviewstudien mit Eltern, deren Kinder Martial Arts betreiben Wie implementiert man Martial Arts sicher in den Schulsport? - Interventions-Evaluations-Studien mit verschiedenen Martial Arts in verschiedenen Jahrgangsstufen Alter, Ausbildung und Trainingsalter als Faktoren zur Unterscheidung der Hauptmotive im Karate-Sport - Eine Replikation der Fragebogenstudie von D.R. Bogdal & J.R. Syska, Polen Welche Wirkungen zeitigt ein Martial-Arts-Training bei Kindern und Jugendlichen? - Längsschnittstudien im Kontrollgruppendesign über konditionelle, koordinative und psychische Parameter mit Kindern/Jugendlichen im Sportverein/in der Schule mit und ohne eigene Intervention   Interkulturelle Perspektive Die Universität Bayreuth im Allgemeinen und das Institut für Sportwissenschaft im Besonderen kooperieren mit verschiedenen chinesischen, japanischen und südkoreanischen Universitäten. Der Projektleiter selbst verfügt über persönliche Kontakte nach Asien. Es wird angestrebt, Partnern in China, Japan und Südkorea laufende Teilprojekte vorzustellen und Studien mit demselben Design vor Ort anzuregen. Langfristig soll sich so die Möglichkeit eines Kulturvergleichs ergeben. Impressum